Freitag, 11 August 2017 09:03

Abwechlsungsreiche Zeitreise

Großpold, Pastor und Kuratoren Großpold, Pastor und Kuratoren

RESÜMEE: Abwechsungsreiche Zeitreise
Prof. Dr. Wilfried Schabus referierte anschaulich und mittels Bildmaterial und Tonproben über Geschichte und Kultur der Landlergemeinden in Siebenbürgen.
Eine anrührende Spurensuche zu einer mittlerweile untergehenden Lebenswelt.

Unter Maria Theresia als Glaubensmärtyrer nach Siebenbürgen deportierte evangelische Kärntner.
Die österreichische Erinnerungskultur befasst sich heuer intensiv mit zwei großen Persönlichkeiten der europäischen
Geschichte: Martin Luther und Maria Theresia.

Prof. Dr. Wilfried SCHABUS
Do. 24. August 2017 19.30 Uhr

Die große Habsburgerin Maria Theresia wurde vor 300 Jahren in Wien geboren, als der durch die Reformation ausgelöste 30-jährige Krieg längst vorbei und
auch die „Türkengefahr“ bereits vorüber war. Ihre kaiserliche Fürsorge galt dem Wohlergehen von Staat und Volk, was ihr die positive Nachrede als gütige
„Landesmutter“ einbrachte. Allerdings: Nur fromm katholische Untertanen waren für sie auch gute Untertanen. Die frommen Anhänger des lutherischen
Glaubens hielt sie hingegen bloß für „räudige Schafe“. Auch wenn diese Protestanten nach langen Epochen brutaler habsburgischer Gegenreformation
damals friedlich und zurückgezogen ihren Glauben im Verborgenen lebten. Die unter der Kaiserin verschärften Versuche, diese tiefgläubigen „akatholischen“
Christen wieder in die katholische Staatskirche einzugliedern, führten zwischen 1752 und 1776 zu gewaltsamen „Transmigrationen“ nach Siebenbürgen, denen
auch viele Kärntner zum Opfer fielen; vor allem aus den heutigen Bezirken Feldkirchen, Spittal und Villach-Land.

Nur wenige der Vertriebenen schafften es, sich als eigenständige evangelische Gruppe in Siebenbürgen zu behaupten. Zusammen mit ihren ebenfalls verbannten
Schicksalsgenossen aus dem oberösterreichischen „Landl“ nennt man sie die „Landler“. Sie alle wurden jetzt zu engen Nachbarn der Siebenbürger Sachsen.

Wilfried Schabus hat die Landler bald nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ zu Ostern 1990 zum ersten Mal besucht, als der Massenexodus
von Sachsen und Landlern aus Rumänien gerade erst begann.

Der mit Tonproben und vielen Bildern ausgestattete Vortrag gibt einen authentischen Einblick in eine faszinierende bäuerliche Kultur,
deren Träger heute verstreut in Deutschland, aber auch in Österreich leben.

 

Hon.Prof. Dr. Wilfried Schabus
Aufgewachsen in Rattendorf, Gailtal.
Hauptschule in Hermagor, Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt, kurze Lehrtätigkeit in St. Stefan im Gailtal und Kreuth ob Rattendorf.
Studium in Wien, Dr. phil.
War als Sprach- und Kulturforscher am Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig sowie als Honorarprofessor für Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Wien.
Forschungsschwerpunkte: deutsche Dialektologie in Österreich; dialektologische, kontaktlinguistische und migrationsgeschichtliche Forschungen bei österreichisch-deutschen Minderheiten in Italien, Osteuropa,
Ukraine, Sibirien, Südamerika sowie bei den täuferischen Hutterern in Kanada. Zahlreiche Publikationen.

 

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