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Von Kärnten über Russland nach Amerika

Prof. Dr. Wilfried Schabus

Do. 04. Sept.2014, 19.00 Uhr

Bei den "Kärntner" Hutterern in Kanada
Vortrag mit Lichtbildern und Tonbeispielen

Die Hutterer sind eine christliche Glaubensgemeinschaft in Kanada und den USA, welche die Erwachsenentaufe praktiziert. Im Gegensatz zu den ebenfalls täuferischen Amischen oder Mennoniten führen die Hutterer ein Leben in Gütergemeinschaft auf Bruderhöfen. Ihr Namenspatron ist der um 1500 im Pustertal geborene Jakob Hutter.

Aufgrund von konfessionspolitischer Verfolgung wanderten die „Urhutterer“ von Südtirol nach Südmähren und von dort nach Siebenbürgen weiter, wo sie 1690 die Gütergemeinschaft aufgeben mussten, womit sie ihre konfessionelle Eigenständigkeit verloren. Um 1755 kam diese hutterische Restgemeinde mit nach Siebenbürgen deportierten Protestanten aus der Gegend von Spittal an der Drau in Kontakt. Ohne den Beitritt dieser vertriebenen Kärntner zum hutterischen Glauben würde es die hutterische Kirche längst nicht mehr geben.

Die weiteren Stationen dieser zunächst als „Wiedertäufer“ und später als „Wehrdienstverweigerer“ oder „Kommunisten“ verfolgten Glaubensgemeinschaft waren Walachei, Ukraine, Russland, USA und Kanada. Vielschichtig wie das Wanderungsverhalten der Hutterer ist auch die Geschichte ihres deutschen Dialekts. Trotzdem hat dieser Dialekt sein kärntnerisches Gepräge bis heute bewahrt.

Der in Rattendorf aufgewachsene Sprach- und Kulturforscher Wilfried Schabus verbrachte mehrere Monate bei den Hutterern in Kanada im Winter 2003/2004.